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- Neueste Nachrichten zur Ressourcenlage fossiler Energieträger seit 1999
   
Postfossile Mobilität
Öl für immer?
Unentdecktes Öl der Arktis
Peak Oil is now!
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"Die bisher noch nicht in die Bewertung einbezogenen Vorkommen sind noch viel höher. In diesem Jahrhundert haben wir ausreichend Öl und noch mehr Gas. "
Klaus Franke, Vorstandsvorsitzender Deutsche BP in einem Interview mit der Bildzeitung im Aug. 2008

"Wegen all der Unsicherheiten die in diesem Bericht beleuchtet werden, können wir sicher sein, dass die Energiewelt im Jahr 2030 gegenüber heute wesentlich anders aussehen wird"
IEA World Energy Outlook 2008, Executive Summary, November 2008

 

ASPO Jahrestagung 2010 - Am 18. Mai in Berlin
ASPO, 03. März 2010: Auch in diesem Jahr wird die ASPO Deutschland e.V. Mitgliederversammlung zusammen mit einer eintägigen öffentlichen Tagung stattfinden. Das Thema in diesem Jahr lautet "Post Peak - Der Abstieg vom Peak Oil". Unter anderem konnte Prof. Dr. Kjell Aleklett - Präsident von ASPO International - als Redner gewonnen werden; er berichtet über die Zukunft der Welt-Ölproduktion. Prof. Dr. Elmar Altvater von der Freien Universität Berlin wird die Frage behandeln, inwieweit durch Peak Oil das Paradigma vom fortwährenden Wirtschaftswachstum aufrecht erhalten werden kann und inwieweit sich der Rückgang der Ölförderung auf das kapitalistische Wirtschaftssystem auswirken könnte. Neben den Vorträgen gibt es ausreichend Zeit mit den Vertretern von ASPO Deutschland zu diskutieren und Fragen zu stellen.

Das gesamte Programm sowie Informationen zur Anmeldung und zum Veranstaltungsort finden sie im Tagungsflyer go

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Das Buch zur postfossilen Mobilität
ASPO, Blandow, 05.Februar 2010: Oft wird ASPO vorgeworfen nur ein negatives Bild der Zukunft zu zeichnen. Der Grund liegt darin, dass ASPO sich vorwiegend auf Analysen zur Ressourcenlage fossiler Energien konzentriert und nicht auf die Darstellung oder Bewertung möglicher Alternativen. Jörg Schindler und Martin Held, beide im Vorstand von ASPO Deutschland, haben das Thema aufgegriffen und sich Gedanken darüber gemacht, wie Mobilität nach dem Zeitalter der fossilen Energieträger aussehen könnte und wieviele Optionen der kreative Umgang mit dem Bedürfnis "Mobilität" bereithält. Die Erkenntnis, dass Mobilität und Verkehr einander nicht bedingen und dass mehr Mobilität nicht unbedingt mehr Verkehr bedeutet widerspricht heutigen Denkmustern deutlich. Aber das Buch geht noch weiter und beschreibt Entwicklungen die stattfinden, sobald der "Raumwiderstand" steigt. Vereinfacht gesagt sind dies die Kosten für den Transport von Personen und Gütern. So erwarten die Autoren ein Wiedererstarken lokaler Warenkreisläufe mit deutlich nachhaltigeren Strukturen. Dass auch in der postfossilen Zeit kein Stillstand herrschen wird beschreibt das Buch anhand vieler praktischer Beispiele aus Städten, die heute bereits wichtige Schritte in Richtung nichtfossiler Mobilität eingeleitet haben. Gestiegende Lebensqualität und intelligente Mobilität werden die postfossile Zeit kennzeichnen, nicht Stillstand und Krise. Dies ist die wichtige Botschaft an Gesellschaft, Politik und Industrie. Das Buch kann hier go bestellt werden.

Steigende Verkehrskosten - bezahlbare Mobilität
ASPO, Blandow, 05. Februar 2010: Auch das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung hat sich mit den Folgen steigender Mobilitätskosten durch sich verknappende Ölreserven auseinandergesetzt. Im Heft 12.2009 werden die Auswirkungen hoher Mobilitätskosten auf die Raumentwicklung diskutiert. Ein logischer Schritt, denn viele Investititionen und Raumplanungsverfahren sind auf viele Jahre in die Zukunft ausgelegt. Es stellt sich also die Frage, welche Raumentwicklung unter den neuen Randbedingungen gestiegener Mobilitätskosten überhaupt Sinn machen und wo man durch richtige Planungen bereits heute Strukturen unterstützen kann, die weitgehend unabhängig von steigenden Ölpreisen und somit nachhaltig sind. Ein wichtiger Beitrag zur Sensibilisierung, dass Peak Oil in vielen Bereichen zu Veränderungen führen wird. Das Heft ist im Selbstverlag des BBSR erschienen und kann hier go bestellt werden.

Veranstaltungshinweis: "Peak Oil, was bedeutet das für die Stadt Hamburg"
Die AG Peak Oil Hamburg möchten mit einer öffentlichen Veranstaltung am 20.11.2009 von 18 - 22 Uhr in der Handelskammer einen Stein ins Rollen bringen. Wir fragen: Wie gehen wir mit der Herausforderung um, die die bereits einsetzende Verknappung fossiler Rohstoffe für Wirtschaft und Gesellschaft bedeutet? Wir wollen die öffentliche Wahrnehmung für das Peak-Oil-/Peak-Fossil-Problem in unserer Stadt erhöhen und andere Kommunen und Bundesländer - nicht zuletzt auch die Politiker - dazu anregen, sich der Problematik mit der angemessenen Dringlichkeit endlich zu stellen.

Dr. Werner Zittel von der "Association for the Study of Peak Oil and Gas" und Hilmar Rempel von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) werden die geologischen Hintergründe des Phänomens Peak-Oil/Fossil nach den neuesten Erkenntnissen der Wissenschaft beleuchten.

Die bekannte Energieökonomin Prof. Dr. Claudia Kemfert vom DIW Berlin wird sich mit den Auswirkungen von Peak Oil auf die Wirtschaft unter Berücksichtigung der Klimawandels befassen, Ulrich Brehmer, Geschäftsführer der Handelskammer Hamburg, wird sich mit den speziell für den Wirtschaftsstandort Hamburg zu erwartenden Folgen beschäftigen.

Um ausgewählte Lösungsansätze geht es in dem Beitrag von Thomic Ruschmeyer vom Bundesverband Erneuerbare Energien und Rahel Schweikert von der Transition Town- Friedrichshain/Kreuzberg (Berlin), die ebenso wie der aus England per Video zugeschaltete Rob Hopkins, der “Spiritus Rector“ der Transition Towns, die Prinzipien dieser Peak-Oil und Klimawandel integrierenden Basis-Bewegung erläutern wird. Ein weiterer Lösungsansatz wird mit einem Modell das besonders hamburgspezifische Thema Schifffahrt betrachten.

In der von Jürgen Webermann (ndr-info) moderierten Schlussdebatte werden weitere Politiker, Wirtschafts- und Wissenschaftsvertreter teilnehmen und der "Umweltsenator" von San Francisco, Supervisor Ross Mirkarimi, live zugeschaltet werden, der uns über die Maßnahmen berichtet, die seine Stadt zur Erhöhung ihrer Peak-Oil-Festigkeit in den letzten Jahren ergriffen hat. Welche Anregungen kann Hamburg daraus ziehen?

Weitere Infos: go

Veranstaltungshinweis: "Peak Coal und Klimawandel"
ASPO, 11. Oktober 2009: In der Evangelischen Akademie in Tutzing findet vom 15. bis 17 November 2009 eine Tagung zum Themenkomplex Verfügbarkeit von Kohle, Folgen für den Klimawandel und vom Traum der sauberen Kohle statt. In einer Kooperation mit der Energy Watch Group konnten namhafte Referenten zum Thema Peak Coal gewonnen werden. Im ersten Teil der Veranstaltung geht es um die Frage wieviel förderbare Kohle auf der Erde wirklich vorhanden ist und wie glaubwürdig die Reservenangaben sind. Es wird auch gezeigt, auf welche geografischen Regionen sich Vorkommen verteilen und welche neuen Abhängigkeiten daraus entstehen könnten. Im zweiten Teil der Tagung stehen Klimaspekte im Zusammenhang mit der Kohlenutzung im Vordergrund. Welche Klimawirkungen hat beispielsweise die Kohleverflüssigung und wie vielversprechend sind die Aussichten von Carbon Capture & Sequestration (CCS) tatsächlich. Die Liste der referenten und das vollständige Programm finden sie hier: go

Leinwand, Mattscheibe und Bühnenbretter
ASPO, Blandow 21. September 2009: In drei verschiedenen Medien werden jeweils unterschiedliche Aspekte von Peak Oil beleuchtet. In den USA ist der mehrfach ausgezeichnete Dokumentarfilm "CRUDE" in den Kinos angelaufen (Trailer go). Er beschäftigt sich mit den Methoden der großen US Ölfirmen sowie der lokalen Regierungen im Amazonasgebiet. Sobald er in Deutschland gesichtet wird, wird ASPO darüber berichten. Im Deutschen Theater Berlin ist in der letzten Woche das Stück "ÖL" angelaufen (Spielplan go) in welchem eher zwischenmenschliche Themen - vor dem Hintergrund des zunehmenden Erfolgsdruckes bei der Ölsuche - im Vordergrund stehen. Und schließlich zeigt der NDR am 28.9.2009 um 23:00 Uhr den Film "Bis zum letzten Tropfen" (Trailer go) in dem auch ASPO Vorstand Prof. Wolfgang Blendinger zu Wort kommt.

Öl für immer?
ASPO, Blandow 24. August 2009: In der Zeitschrift P.T. Magazin (Anmerkung ASPO: Einer Zeitschrift mit der Zielgruppe "Mittelstand") erschien im Mai 2009 ein Artikel, der das Thema "Peak Oil" in das Reich der Fabeln und Legenden verweist und statt dessen eine immerwährende Versorgung mit billigem Öl verspricht. Grundlage dieses Versprechens ist die Theorie vom abiotischem Öl, wonach sich unter bestimmten Druck- und Temperaturbedingungen im Erdinneren Öl ständig neu bildet. Diese Theorie stünde im Gegensatz zur gängigen Theorie, wonach sich Öl aus vor jahrmillionen abgestorbenen Organismen gebildet hat, die duch geologische Vorgänge in bestimmten Gesteinsformen eingeschlossen wurden. Der Autor des "Wohlfühlartikels" für den Mittelstand - Ullrich Rothe -macht einzig eine globale Verschwörung von grünen Ideologen, der Wirtschaft und der Medien dafür verantwortlich, dass wir nicht längst Öl im Überfluss und quasi zu minimalen Kosten überall auf der Welt fördern. Denn der Vorteil dieser Theorie ist unter anderem, dass es dieses Öl überall gibt und nicht nur in ausgewählten Regionen.

Wer jetzt allerdings bereits über die Bestellung eines neuen SUV nachdenkt, sollte vorher den Leserbrief vom ASPO Vorstand an das P.T. Magazin lesen. Dieser wurde natürlich nicht abgedruckt, denn angesichts einer derart konträren Meinung wäre man doch einigermaßen in Erklärungsnot gekommen, warum man einen so einseitig recherchierten Artikel überhaupt veröffentlicht hat. Man hätte beim P.T. Magazin zumindest stutzig werden müssen, als Herr Rothe dann auch, quasi nebenbei, den Klimawandel, das Problem der Treibhausgasemissionen und die erneuerbaren Energien (insgesamt) als Hingespinste einer grünen Weltverschwörung disqualifiziert. Und auch wenn darin eine gewisse Konsequenz liegt - was nützt mir das Öl wenn ich es aus Klimagründen nicht verbrennen darf? - so bleiben im Lehnstuhl von unendlichem Öl und nicht existierendem Treibhauseffekt einige drückende Stellen. Unter anderem die Frage, ob wir wirklich das Wohl unserer Kinder sowie der ihnen folgendenen Generationen auf eine derart ignorante Basis stellen wollen?

Der Artikel im P.T. Magazin: go | Der ASPO Leserbrief (nicht veröffentlicht): go

ASPO Jahrestagung 2009
ASPO 05. April 2009: Die jährliche ASPO Hauptversammlung wird in diesem Jahr erstmalig um einen öffentlichen Konferenzteil mit dem Titel "Peak Oil - Beginn einer neuen Ära" ergänzt. Interessierte Zuhörer sind dazu herzlich eingeladen. Die Hauptversammlung findet statt am 19. Mai im Wissenschaftszentrum in Berlin. Ab 13:30 Uhr beginnt der öffentliche Teil. Als Redner konnte ASPO Deutschland unter anderem Dr. Colin Campbell von ASPO Irland gewinnen. Anmelden kann sich jeder interessierte, der Kostenbeitrag beträgt 20 Euro.

Flyer: go | Programm: go | Anmeldung: go

Ölfirmen in Nöten
ASPO, Zittel 11. Mai 2009: Wenn das Erdöl weniger wird, dann bleibt den einzelnen Firmen nur die Fusion, um ein Scheinwachstum aufrecht zu erhalten. Die aktuelle Finanzkrise wird den Förderrückgang zusätzlich beschleunigen.

Erinnern wir uns: Der Ölpreis lag in den 1990er Jahren meist zwischen 15 bis 25 Dollar je Fass Rohöl. Im Jahr 1998 begann dann eine Wirtschaftskrise, damals ausgelöst durch den überbewerteten Immobilienmarkt in Japan. Der Ölpreis brach zeitweise auf 10 Dollar ein. Parallel dazu gingen die neuen Ölfunde zurück. Das brachte die Ölfirmen in Bedrängnis.

Am stärksten war davon die amerikanische Firma Amoco betroffen. Die Explorations-statistiken zeigen, dass Amoco sehr früh seine Ölfunde von insgesamt etwa 16 Milliarden Faß Öl realisiert hatte und in der Phase 1990 – 1997 kaum mehr neues Öl hinzukam. Die Firma hatte es versäumt, sich aussichtsreiche Explorationsgebiete zu sichern. Die Förderung ging mindestens seit 1989 jedes Jahr leicht zurück. Amoco war finanziell am Ende und damals blieb kein anderer Ausweg als mit BP zu fusionieren, wollte man eine öffentliche Insolvenz vermeiden. Kurzzeitig nannte sich die neue Firma BP Amoco.

Beyond Petroleum
Es war die Zeit, da BP als erste Ölfirma aus der Global Climate Coalition – der Lobbyingvereinigung der Öl-und Automobilfirmen gegen ein starkes Kioto-Protokoll -austrat, sich ein neues Logo mit stilisierter Sonnenblume und mit der Um-Interpretation von BP als „Beyond Petroleum“ auch ein grünes Image als Konzern zulegte. Damals wurde BP sogar von Greenpeace gelobt.

Es war auch die Zeit, als erstmals kritische Kommentare zum Ende des Ölzeitalters auftauchten: „We are now facing a global energy crisis, I know you’ve heard this before, but this time it’s for real.“ war im Dezember 1998 aus dem Munde von Hiroyuki Yoshino, dem Präsidenten von Honda zu hören. Ein Jahr später verkaufte Honda mit dem Insight seinen erstes Hybridauto.

Ebenfalls im Jahr 1998 hatten die Geologen und ASPO Gründer Colin Campbell und Jean Laherrere im Scientific American einen ausführlichen Bericht über den baldigen Höhepunkt der weltweiten Öl-förderung veröffentlicht. Das war die Kurzfassung ihrer ausführlichen Studie, die sie bereits 1995 für Branchenkreise geschrieben hatten. Mike Bowlin, der Vorstandsvorsitzende von ARCO verstieg sich im Februar 1999 gar zu der Äußerung, „the world is entering the last days of the age of oil.“ Ein Jahr später gab es ARCO nicht mehr, es war in der Firma Arco BP Amoco aufgegangen. Einige Zeit später waren Mitarbeiter und Firmenname verschwunden – die Firma nannte sich wieder BP.

Eine sterbende Industrie
Goldman Sachs ließ seine Investoren in der Zeitschrift „Energy Weekly“ vom 11. August 1999 wissen: „The great merger mania is nothing more than a scaling down of a dying industry in recognition of the fact that 90 % of global conventional oil has already been found.” Die Aussage des Investmenthauses, dass die Fusionen ein klares Zeichen für eine sterbende Industrie sind, war damals besonders brisant, weil Goldman Sachs im Aufsichtsrat auch die Geschicke von BP Amoco mitbestimmte. Auch Franco Bernabe, der Vorstandsvorsitzende von Eni äußerte sich in der populären Zeitschrift Forbes: “My forecast is that between 2000 and 2005 the world will be reaching peak production from our known fields, and after that, output will decline.“ Kurz darauf wechselte er die Branche.

Im Kern nur Fusionen
Es war die Zeit der Zusammenschlüsse der großen Ölfirmen. Colin Campbell kommentierte dies mit den Worten: „There is nothing left then to eat each other. “

Tatsächlich ergab sich eine große Konsolidierung oder Anpassung der westlichen Ölfirmen als Reaktion auf das schwieriger werdende Umfeld: Mobil und Exxon fusionierten zu ExxonMobil ebenso wie Elf Aquitaine und Fina mit Total (geblieben ist nur noch der Name Total), oder Texaco und Chevron zu ChevronTexaco oder Conoco und Phillips zu ConocoPhillips. Mit diesen Zusammenschlüssen gingen Mitarbeiterentlassungen einher. Die überlebenden Ölfirmen vergrößerten ihre Förderbasis durch die Fusionen. Das war vermutlich billiger als sich dem Risiko hoher Explorationskosten auszusetzen, denen keine entsprechenden Funde gegenüberstanden.

Die acht Schwestern schrumpfen
Einer konnte oder wollte sich damals nicht beteiligen: Die Firma Shell. Erst viel zu spät, im Jahr 2003, konnte sie sich noch zu deutlich höherem Preis eine kleinere Firma aneignen: Enterprise. Doch ungeachtet dessen ist die Ölförderung von Shell in den letzten zehn Jahren bereits um 30 Prozent zurückgegangen. Das blieb nur wegen der gestiegenen Gewinne verborgen.

Aber auch BP hatte Mühe, seine Förderrate aufrechtzuerhalten. Im Jahr 2003 kam dann noch ein Joint Venture mit der russischen Firma TNK hinzu. Kurzzeitig konnte damit die Förderung nochmals erhöht werden. Auch hier ein brisantes Detail: Differenzen gab es vor gar nicht langer Zeit, als die russischen Aktionäre von TNK auch international tätig werden wollten. Dem aber wollte sich BP widersetzen. Hatte man sich doch an TNK beteiligt, um Zugang zu den großen russischen Ölfeldern zu erlangen. Wo aber waren diese, wenn die russische Firma nun auch noch auf internationalem Parkett Konkurrenz zur Mutterfirma machen wollte. So hatte man sich das nicht vorgestellt.

In Summe erreichten die nun nur noch acht größten westlichen Firmen zusammen im Jahr 2004 ein gemeinsames Ölfördermaximum mit fast 14 Millionen Fass Erdöl Tagesförderung. Das entsprach damals fast 18 Prozent der weltweiten Ölförderung. Seit dieser Zeit ist deren Förderung bis Ende des Jahres 2008 um fast 15 Prozent zurückgegangen.

Von IOCs zu NOCs?
Erinnern wir uns weiterhin an die Finanzkrise, verursacht durch die Macht der “innovativen” Finanzinstrumente, ausgelöst aber vermutlich durch die hohen Ölpreise. Abermals folgt eine Wirtschaftskrise, diesmal jedoch von wesentlich größerem Ausmaß. Am 3. Februar 2009 denkt der Vorstandsvorsitzende von BP, Tony Hayward, laut über Zusammenschlüsse von westlichen Ölfirmen mit staatlichen Ölfirmen nach. Es wäre doch vernünftig, so das sinngemäße Statement, wenn die großen westlichen Ölfirmen mit ihrem Know-how Zugang zu den großen Reserven der staatlichen Ölfirmen erhalten würden. ("It may be more sensible to think about combining IOCs, with technology and capability, with NOCs (National oil companies) with resources,"

Wenn diese Aussage auch schon dreist genug ist, so gibt er zunächst zu, dass den westlichen Ölfirmen das Öl ausgeht. Zweitens aber suggeriert er damit, dass man mit westlicher Technologie die Ressourcen der staatlichen Ölfirmen wie Saudi Aramco wesentlich besser ausbeuten könnte. Dabei vergisst er allerdings auch zu erwähnen, dass die großen westlichen Ölfirmen ihre Fachleute schon längst nach Hause geschickt haben. Die Arbeit vor Ort erledigen hier Mitarbeiter der Dienstleister Schlumberger, Halliburton oder anderer, die genauso von russischen oder arabischen Ölfirmen angeheuert werden.

Schaut man sich die Bilanzen an, so schreiben BP und Shell (mindestens seit 1999) im vierten Quartal 2008 erstmals rote Zahlen. Damit zeigt sich das Dilemma: Bleibt der Ölpreis für längere Zeit auf dem niedrigen Niveau von 40 – 50 $ je Fass, dann schreiben die Ölfirmen Verluste. Dabei sollte man sich klar machen, dass ein Ölpreis von 50$ in einer Rezessionsphase von 5 % oder mehr alles andere als niedrig ist. Einen solchen Ölpreis hatte die IEA noch für wenigen Jahren für das Jahr 2030 prognostiziert unter der Annahme eines jährlichen Wirtschaftswachstums von 3 -4 %.

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Abbildung: Nach einer Phase in der die Unternehmen jedes Jahr neue Rekordgewinne eingefahren haben kommt nun schlagartig der Zusammenbruch. Eine massive Investition in neue Erdölförderung ist vor diesem Hintergrund mehr als unwahrscheinlich.
Quelle: Quartalsberichte der Ölfirmen.

Die Konsequenz wird sein, dass weniger Geld in die Aufrechterhaltung der Ölförderung investiert wird. Die Förderung wird schneller zurückgehen, als es notwendig wäre. Somit kehrt sich die naive Hoffnung, dass Ölfirmen bei hohen Öl-preisen ja mehr in die Erschließung neuer Felder investieren und damit die Förderung ausweiten und letztlich den Ölpreis wieder senken könnten, in ihr Gegenteil um: Bei niedrigen Ölpreisen wird noch weniger investiert, und die Förderung wird schneller zurückgehen.

World Energy Outlook 2008
ASPO, Zittel/Schindler, 3. Dezember 2008: Am 12: November hat die IEA den neuen World Energy Outlook 2008 veröffentlicht. Eine ausführliche Besprechung erfolgt demnächst an dieser Stelle. Vorab seien nur die wichtigsten Zitate aus der Zusammenfassung genannt, sowie das Referenzszenario, das sich nur unwesentlich vom World Energy Outlook des Vorjahres unterscheidet. Auffällig ist die Diskrepanz zwischen warnenden Worten des Textes einerseits und den Szenariorechnungen andererseits. Während die Kommentare voll von warnenden Hinweisen sind und die Welt am "energetischen Scheideweg" gesehen wird, suggerieren die Grafiken, dass "Business as Usual" durchaus eine Option ist (Referenzszenario).

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Abbildung: Die durchgezogenen Linien zeigen das Referenzszenario des WEO 2007, die gestrichelten Linien das Alternativszenario des WEO 2007. Das Referenzszenario des WEO 2008 (gepunktete Linien) weicht kaum vom WEO 2007 ab. (Quelle: BP, IEA-WEO 2007-2008)

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Abbildung: Ihren Ölpreisprognosen hat die IEA jedes Jahr den Realitäten angepaßt. Noch 2007 - also vor einem Jahr!- ging die IEA von einem stabilen Ölpreis von etwa 50$ bis 2030 aus. Dieser Wert hat sich für 2008 verdoppelt und auch größere Preisunsicherheiten kann sich die IEA inzwischen vorstellen. Die schwarze Linie zeigt den Realen Ölpreis. (Quelle: BP, IEA-WEO 1998-2008)

Unentdecktes Öl der Arktis
ASPO, Blandow, 3. Dezember 2008: Immer wenn es eng wird, präsentieren Ölfirmen, Weltenergieagentur sowie die etablierten Forschungsinstitute der Wirtschaft neue Hoffnunhsträger für die Weltölversorgung. Die Übergänge von Ressourcen zu Reserven sind dabei fliessend und gerne werden auch gleich Reichweiten in Jahrzehnen angegeben, ohne dass dem reale Produktionsmöglichkeiten und Kapazitäten gegenüber stehen würden. In diese Kategorie fallen z.B. auch Teersande und Ölschiefer, deren Ausbeutung man zumindest als schwierig und teuer bezeichnen kann. Die IEA ist vor einigen Jahren noch einen Schritt weiter gegangen und sprach von "unentdecktem unkonventionellen Öl" als einem Eckpfeiler der zukünftigen Ölversorgung. Man hat das Gefühl, je exotischer die Orte werden von denen in der Zukunft unser Öl kommen soll, desto glaubwürdiger läßt sich eine gesicherte Ölversorgung verkaufen. Je exotischer die Fördermethode bzw. das Fördergebiet, um so schwerer fällt es natürlich auch den Gegenbeweis anzutreten. Da ist es gut, dass ASPO Deutschland mit Prof. Blendinger, Erdölgeologe an der TU in Clausthal-Zellerfeld, über einen ausgewiesenen Experten verfügt. In einem Forumsbeitrag setzt er sich mit dem neuen Hoffnungsträger "Unentdecktes Öl" der Arktis auseinander. go

Rückgang setzt sich fort
ASPO, Blandow/Zittel, 1. Dezember 2008: Die Ölförderung der acht großen westlichen Ölkonzerne geht weiter zurück. Die in den Berichten zum Ende des dritten Quartals 2008 veröffentlichten Fördermengen von BP, ExxonMobil, Shell, Total, Eni, ConoccoPhipplis, Repsol und ChevronTexaco weisen einen weiter beschleunigten Rückgang der Produktion aus. Seit 2004 ist die Gesamtfördermenge der gezeigten Firmen um 2 Millionen Barrel oder fast 15% pro Tag gefallen.

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Bild: Auswertung der Quartalsberichte 8 größten westlichen Ölfirmen. Der Rückgang der Förderung verstärkt sich. Gegenüber 2004 klafft bereits eine Lücke von 2 Millionen Barrel pro Tag. Setzt sich der Trend fort, wird sich die Förderung in den nächsten 10 Jahren mehr als halbieren. [Quelle: Quartalsberichte der Firmen]

Besonders dramatisch ist der Rückgang der Förderung bei Shell. Von knapp 2,5 Millionen Barrel pro Tag im Jahr 2003 werden 2008 noch knapp 1,7 Millionen Barrel pro Tag gefördert. Seit dem Jahr 2000 haben sich die Ausgaben für Produktion und Exploration um den Faktor 4-5 erhöht, im Jahr 2008 gegenüber 2007 nochmals verdoppelt. Bisher konnten diese Mehrausgaben den Trend weder stoppen noch bremsen. Es zeigt sich ebenfalls, dass der viel beschworene Hoffnungsträger "Teersand" kaum Einfluss auf den Trend des Produktionsrückgangs hat. Um die entstandene "Lücke" aus konventionellem Öl zu füllen, müßte sich die Produktion von Öl aus Teersanden vervielfachen. Es zeigt sich an diesem Beispiel ganz konkret, dass große Reserven und reale Produktion zwei völlig verschiedene Sachverhalte sind. Ölfirmen kommunizieren gerne hohe und gestiegene Reserven. Fakt ist, das all diese Reserven bislang nichts gegen den Förderrückgang bewirkt haben. Einen Förderrückgang der mit aktuell 6% für das dritte Quartal durchaus beträchtlich ist.

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Bild: Die Ölförderung von Shell [Quelle: Quartalsberichte]

Auch bei ExxonMobil scheinen die Zeiten schwieriger zu werden. Die folgende Grafik zeigt Exxons Ölförderung in den verschiedenen Weltregionen. Seit etwa 2002 konnte die Erschließung neuer Fördergebiete in Afrika den Rückgang in den klassischen Fördergebieten kompensieren, die Förderung konnte sogar leicht steigen. Seit 2007 fällt die Förderung allerdings stark und ist aktuell unter die Förderung von 1998 zurück gefallen. Auch dieses Beispiel zeigt, wie schwierig es ist den Rückgang aus bestehenden Feldern durch neue Fördergebiete zu kompensieren, ganz zu schweigen von eigentlich notwendigen Ausweitungen.

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Bild: Die Ölförderung von ExxonMobil gemäß der eigenen Quartalsberichte. Seit 2007 können auch die Engagements in Afrika und Russland die zurückgehende Förderung in den "klassischen" Fördergebieten nicht mehr kompensieren. [Quelle: Quartalsberichte. Für den Zeitraum vor 2002 liegen ASPO keine nach Regionen gegliederten Daten für ExxonMobil vor]

Während die Förderung sinkt steigen die Ausgaben. Die folgende Grafik zeigt die Ausgaben der 3 größten Ölfirmen für Exploration und Produktion. Auf den ersten Blick scheint die Welt in Ordnung. Steigende Preise - und Gewinne - führen zu höheren Investitionen. Sieht man allerdings genauer hin, sind vor allem die Kosten für die Produktion gestiegen, die Ausgaben für die Exploration - also der Suche nach neuen Ölfeldern - sind vergleichsweise Konstant bzw. leicht rückläufig (Abbildung darunter). Es sind aktuell zwei deutliche Trends zu beobachten: Die Kosten für die Produktion steigen und die Ölförderung sinkt mit zunehmender Geschwindigkeit. Gleichzeitig stecken die Ölfirmen den wesentlichen Teil ihrer Gewinne in den Rückkauf eigener Aktien.

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Bild: Ausgaben der 3 größten westlichen Ölfirmen für Exploartion und Produktion. Seit 2006 haben sich die Ausgaben nahezu verdoppelt. [Quelle: Quartalsberichte. Für 2008 nur die Quartale I-III]

Nicht alle Ölfirmen weisen die Kosten für Produktion und Exploration getrennt aus. In der folgenden Grafik sind die E&P (Exploration & Production) Ausgaben für die 3 größten Ölfirmen aufgegliedert. Der gerne bemühte Mythos, das steigende Ölpreise zu erhöhter Exploration führen, läßt sich anhand dieser Zahlen nicht belegen. Während 2007 in der Größenordnung von 50 Milliarden US$ eigene Aktien zurück gekauft wurden, lagen die Ausgaben für die Produktion etwa in der gleichen Höhe. Für Exploration wurden dagegen nur 3,3 Milliarden Dollar ausgegeben (ExxonMobil, BP und Shell). Schreibt man diese Trends fort, fördern die Ölfirmen immer weniger Öl, besitzen bald den Großteil der eigenen Aktien und geben die Suche nach neuem Öl praktisch auf.

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Bild: Die Ausgaben für E&P aufgeliedert in Produktion und Exploration. Obwohl die Produktionskosten aller drei Firmen in der gleichen Größenordnung liegen sind die Förderraten unterschiedlich s. Grafik oben]

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Bild: Ausgaben der 3 größten westlichen Ölfirmen für den Rückkauf eigener Aktien [Zahlen für 2008 ohne IV. Quartal]

Veröffentlichungen zu Peak-Oil
ASPO, Blandow/Zittel/Schindler, 7. November 2008: Auf drei Veröffentlichungen zum Thema Peak-Oil möchten wir gerne hinweisen. ASPO Deutschland Mitglied Jörn Schwarz hat in der Zeitschrift "Klima- und Kältetechnik" einen zweiteiligen Beitrag zu Peak-Oil und zu den möglichen Alternativen veröffentlicht. Die Schweizerische Akademie der Technischen Wissenschaften (SATW) hat die Auswirkungen von Peak-Oil auf die Mobilität in der Schweiz untersucht.

Zukunft der Energieversorgung: Teil 1 go | Teil 2 go SATW Bericht go

 

 

 

Veranstaltungshinweis: Wieviel ist genug? - Vom Ende des Erdölzeitalters
Am Dienstag den 9. September 2008 finded in der Akademie der Wissenschaften in der Geschwister-Scholl-Strasse 2 in 55131 Mainz eine Diskussion zum Thema Peak Oil statt. Als Gäste werden vertreten sein: Margit Conrad (Umweltministerin Rheinland-Pfalz), Prof. Dr. Peter Hennicke (ehem. Präsedent des Wuppertal Instituts), Dr. Josef Auer (Deutsche Bank Research) sowie Prof. Dr. Klaus Bitzer (Uni Bayreuth und ASPO Deutschland). Die Veranstaltung beginnt um 18:00 Uhr, Eintrittskarten sind kostenlos auf www.umdenken.de oder per Telefon 06131/164433 zu beziehen.

Leserbrief von ASPO an die Süddeutsche Zeitung
ASPO, Blandow, 6.Juni 2008: In ihrer Ausgabe vom 31. Mai 2008 hatte die Süddeutsche Zeitung einen Artikel mit dem Titel "Im Rausch der Tiefe" veröffentlicht. Mit Zitaten von Shell-Managern wie "Wir zapfen heute Öllager an, die früher nicht in den kühnsten Träumen der Ingenieure vorkamen" wurde ein durch und durch positives und optimistisches Bild der Ölförderung im Golf von Mexiko gezeichnet. Anhand von verschiedenen Bohrinseln werden insbesondere die modernen und ausgeklügelten Bohrtechniken hervorgehoben die sogar zu einem neuen Ölboom führen würden. Eines wurde allerdings nicht gezeigt. Nämlich die Entwicklung der Förderung der letzten Jahre und die spricht, und das trotz der Anwendung jener ausgeklügelten Bohrtechniken, eine ganz andere Sprache. ASPO hat diese Zahlen in einem Leserbrief an die SZ geschickt, er wurde am 5. Juni veröffentlicht. Der leserbrief: go

Ölreport in deutscher Sprache
ASPO, Blandow, 6.Juni 2008: Die von der Ludwig-Bölkow-Stiftung getragene Energy-Watch-Group hat am 21. Mai in Berlin auf einer Pressekonferenz die deutsche Fassung des im letzten Herbst in englisch erschienenen "Öl-Report" vorgestellt. Der Bericht zur Lage der Ölversorgung wurde von der Ludwig-Bölkow-Systemtechnik im Aufrtag der Energy-Watch-Group geschrieben. Auf der Pressekonferenz sprachen der LBST Energieexperte Dr. Werner Zittel, Dr. Josef Auer (Deutsche Bank Research), Axel Graf Bülow (Hauptgeschäftsfüher Bunderverband freier Tankstellen), Dr. Aribert Peters (Bund der Energieberbrauchen) sowie Hans-Josef Fell (Bündnis 90, die Grünen). Das Presse-statement von Werner Zittel kann hier go heruntergeladen werden, den Ölreport finden Sie auf der Webseite der Energy-Watch-Group go

Russische Ölförderung am Peak?
ASPO, Blandow, Zerta, 16. April 2008: Zumindest in die Printmedien haben es die jüngsten Äußerungen des Vizechefs der russischen Ölfirma Lukoil, Leonid Fedun, geschafft. Dieser hatte in einem Interview mit der Financial Times folgendes gesagt: „2007 belief sich die Ölförderung in Russland auf 9,95 Millionen Barrel am Tag, einen höheren Betrag werde ich in diesem Leben wohl nicht mehr erleben“. Weiter sagte er bezogen auf Westsibirien: „ Die Phase intensiven Wachstums der Ölförderung sei vorüber“ und „schnelles Wachstum werde durch gleich bleibende oder fallende Produktion abgelöst“. Diese in den Medien kaum beachteten Aussagen haben eine enorme Bedeutung für die weltweite Energieversorgung.

Russland gilt neben Saudi Arabien, Iran und Irak als eine der großen Hoffnungen wenn es um zukünftige Förderausweitungen geht. Denn alleine um die Förderrückgänge in den Regionen die das Fördermaximum bereits überschritten haben – etwa in Mexiko oder in der Nordsee – auszugleichen, bedarf es einer erheblichen Steigerung der Förderung in anderen Gebieten. Die IEA sieht in verschiedenen - und immer wieder nach oben korrigierten - Szenarien die Ölförderung Russlands bei fast 11 Millionen Barrel pro Tag bis 2015. Und noch wichtiger: Diese Fördermenge wird in den Szenarien bis 2030 fortgeschrieben. Wenn nun 2007 das Maximum bei 9,95 Millionen Barrel erreicht wurde und dieser Wert ab dann kontinuierlich fällt, dann wird die Diskrepanz zu den Erwartungen mit jedem Jahr größer. Aktuell scheint die Förderung für 2008 bereits um etwa 1% unter dem Wert für 2007 zu liegen.

Sollten sich die Äußerungen Feduns als Tatsache erweisen, mag dies als Lehrstück für unsere Wahrnehmung zur Sicherheit der Ölversorgung insgesamt dienen. Die IEA veröffentlicht regelmäßig und über Jahre beruhigende Zahlen zur Ölverfügbarkeit einer Region. Diese "offiziellen" Zahlen werden, trotz Warnungen von Organisationen wie z.B. EWG und ASPO, von Politik und Wirtschaft als vertrauenswürdige Planungsgrundlage akzeptiert und sogar gegen Anfeindungen verteidigt. Dann gibt der Vizechef einer Ölfirma ein Interview und verkündet – quasi nebenbei – das Fördermaximum einer ganzen Region und lässt damit die Planungen vieler Regierungen über Nacht zur Makulatur werden.

Das diese Entwicklung trotz IEA vorhersehbar war sei an 2 Beispielen erläutert: Bereits 1990 hat C.D. Masters vom USGS im „Annual Review of Energy, Volume 15“ Menge und Zeitpunkt des russischen Fördermaximums recht gut vorhergesehen. Die LBST hat 2004 die Zahlen folgender Grafik veröffentlicht:

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Grafik: Prognosen des World Energy Outlook der IEA für verschiedene Jahre. Das LBST Szenario stammt aus dem Jahr 2004 und basiert u.a. auf Zahlen des USGS von 1990. Große Bedeutung wird nicht die Tatsache haben, dass die WEO Prognosen in der absoluten Höhe nicht erreicht werden, sondern vielmehr die Frage, wie stark der Förderrückgang ausfallen wird. Die IEA veranschlagt für 2030 eine Förderrate von 11,2 Millionen Barrel pro Tag, die LBST eine von knapp 5 Millionen Barrel pro Tag. Ein Förderplateau für 20 Jahre auf heutigem Niveau wäre historisch gesehen ziemlich ungewöhnlich.

IEA läutet Alarmglocken. Die Internationale Energieagentur erklärt der Politik "Wir sollten das Öl verlassen, bevor das Öl uns verlässt"
ASPO, Zittel, 09. April 2008: Seit Dezember 1999 ist der Rohölpreis von 10 $ pro Faß Öl Anfang des Jahres 2008 auf einen Höchststand von 112 $, also um den Faktor zehn, angestiegen. Tatsächlich stagniert die weltweite Ölförderung seit dem Jahr 2005 oder ist sogar leicht gesunken. Die Datenqualität der Statistiken lässt heute noch keine genauere Aussage zu. Damit hat die Diskussion um den Zeitpunkt des Erreichens des weltweiten Ölfördermaximums ein neues Stadium erreicht. Nun geht die Diskussion darüber, ob wir das Fördermaximum bereits erreicht haben, oder ob durch Fertigstellung und Förderaufnahme von einigen großen Projekte der Zeitpunkt noch einmal für ein paar Jahre hinausgeschoben werden kann.

ASPO vertritt die Meinung, dass der weltweite Förderhöhepunkt erreicht ist und von jetzt an tendenziell jedes Jahr etwas weniger Erdöl verfügbar sein wird. Diese Meinung haben führende deutsche ASPO Mitglieder auch in ihrem Bericht für die sog. „Energy Watch Group“ im Oktober 2007 niedergeschrieben.

Auf wen soll man hören?

Ausgerechnet am 1. April 2008 (!) verkündete der Pressesprecher von Shell Deutschland, Rainer Winzenried, in einem Interview auf den Internetseiten
des Nachrichtensenders n-tv, dass die Peak Oil Theorie sehr umstritten sei und
versuchte den Eindruck zu erwecken, dass die Ölförderung nochmals deutlich
steigen könne.

Tags darauf vermittelte Prof. Blendinger, der Vorsitzende von ASPO Deutschland und Erdölgeologe, genau die gegenteilige Botschaft auf n-tv: Peak Oil ist erreicht, ab jetzt wird es abwärts gehen. Dabei bemängelt er in sehr deutlichen Worten die Ignoranz der
Politik gegenüber diesem so bedeutenden  Ereignis.

Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) bezog ebenfalls
Anfang April Stellung und setzte sich zwischen die beiden Positionen: Ja, es
gebe Peak Oil, aber das werde erst um 2020 Realität, und die Folgen werden in
Industriestaaten vermutlich durch normale Anpassungsprozesse aufgefangen
werden.

Bereits Ende März hatte Hans-Josef Fell (Initiator der Energy Watch Group und Sprecher für Energie und Technologie der Grünen im Bundestag) die aktuelle Situation kommentiert und Empfehlungen für die Zeit sinkender Ölverfügbarkeit gegeben. Dort kritisierte er die Internationale Energieagentur noch hart ob ihrer Ignoranz gegenüber Peak Oil.

Die IEA warnt die Politik

In der April Ausgabe der Zeitschrift Internationale Politik äußerte sich Fatih Birol,
der Chefökonom der Internationalen Energieagentur (IEA), in einem Interview mit Astrid Schneider (BAG Energie, Bündnis 90 / Die Grünen) in alarmierender
Weise. Es ist seit langer Zeit das erste Mal, dass in deutscher Sprache ein Interview
mit ihm zu diesem Thema geführt und im Wortlaut veröffentlicht wurde.
Unter dem Titel „Die Sirenen schrillen …“ warnt er, „ …, dass wir darauf gefasst
sein sollten, in den nächsten Jahren äußerst enge, turbulente und hochpreisige
Ölmärkte zu sehen — für die Wirtschaft wird es nicht gut sein.“

Daraufhin angesprochen, wie ernst diese Warnungen von den Mitgliedstaaten
genommen würden, sagt er: „ …Sie scheuen sich noch, das umzusetzen, aber
ich denke, sie bekommen von uns die Botschaft, es zu tun. All das sind Beispiele,
wie wir gegenwärtig die Alarmglocken läuten, und wir läuten sie sehr laut. Ich
kann Ihnen sagen, dass ich sehr erfreut bin zu sehen, dass viele Minister sich
nun in die richtige Richtung bewegen — aber es reicht noch nicht.“ Und weiter:
„ ….Es hängt von den Regierungen ab, Maßnahmen zu ergreifen. Wir haben sie
gewarnt.“ Sein eindringlicher Appell lautet: „Wir sollten das Öl verlassen, bevor
das Öl uns verlässt“.

Dieses sehr ausführliche und detaillierte Interview verdient besondere Beachtung,
denn es markiert eine historische Kehrtwende in der Haltung der Internationalen
Energieagentur. In dramatischer Tonlage warnt Fatih Birol vor einer heraufziehenden
Ölkrise mit der Folge von grundlegenden Umwälzungen für unsere Energieversorgung. „Business as usual“ wird in Zukunft nicht mehr möglich sein.

Die IEA in Paris beobachtet im Auftrag der OECD-Länder die Entwicklung der Energieversorgung und ist insbesondere auch die Interessenvertretung der Energie
verbrauchenden Länder gegenüber den Energie exportierenden Ländern. Sie wurde in den Ölpreiskrisen der 1970er Jahre auf Initiative des damaligen amerikanischen
Außenministers, Henry Kissinger, explizit als Gegengewicht zur OPEC gegründet.

World Energy Outlook 2008

Fatih Bitol kündigt in dem Interview an, dass der nächste World Energy Outlook der IEA, der im November 2008 erscheinen wird, sich deutlich von allen bisherigen  unterscheiden werde: In der Vergangenheit wurde das Wachstum der Energienachfrage aufgrund der erwarteten wirtschaftlichen Entwicklung prognostiziert und gleichzeitig angenommen, das das Angebot jederzeit der Nachfrage folgen könne. Die Entwicklungen der Vergangenheit haben jedoch gezeigt, dass die Ausweitung des Angebots offensichtlich an Grenzen stößt. Daher wird sich die IEA zum ersten Mal detailliert mit den künftigen Produktionsmöglichkeiten in den wichtigen Ölregionen befassen. Diese Analyse wird zeigen, so Fatih Birol, dass die weltweite Ölförderung schon in naher Zukunft deutlich zurückgehen wird.

Damit sagt die IEA nichts weniger, als dass Peak Oil Realität ist — und zwar nicht
in ferner Zukunft, sondern schon sehr bald, vielleicht schon jetzt. Weiter sagt die IEA damit, dass die Welt sich dringend darauf einstellen soll, mit einer abnehmenden
Ölverfügbarkeit auszukommen. Peak Oil erreicht das Establishment.

Die Bedeutung dieses Interviews mit dessen Kernaussagen kann nicht deutlich genug hervorgehoben werden: Die IEA als Organ des Establishments wird mit dieser neuen Botschaft die Wirkung auf unser deutsches Establishment in Politik, Energiewirtschaft und Medien nicht verfehlen. Peak Oil kann nicht länger ignoriert werden oder als Panikmache von Außenseitern abgetan werden. Ein grundlegender Politikwechsel ist
notwendig und wird von der IEA angemahnt: „ …. Es hängt von den Regierungen ab, Maßnahmen zu ergreifen. Wir haben sie gewarnt“

 

Weitere Informationen unter:

NTV Interview Rainer Winzenried (Shell)
NTV Interview Wolfgang Blendinger (ASPO Deutschland)
go
NTV Interview Hilmar Rempel (BGR)
go
Fatih Birol Interview in "Internationale Politik" (IEA)
go
NTV Interview mit Hans-Josef Fell (EWG, Die Grünen)
go

 


 

 

 

 


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